Ein wachsendes Wunder

Ich gehe durch meinen Garten, fühle Saatkörner in meiner Hand – ich bin berauscht; ein jedes Korn ist eine volle Pflanze, ein voller Baum und ich werde sie sorgsam in die Erde setzen und dann dem Wunder beim Wachsen zusehen. Aber was ist an den Pflanzen, dass Erde und Kosmos sich… ja, in sie hineingeben? Die Antwort liegt für mich darinnen: Die Pflanzen sind eine Verkörperung, eine sichtbar gewordene Berührung, ein sichtbares Ineinander-Fließen von Himmel und Erde… ein gezeugtes Kind… die Spur eines immerfort fließenden Liebesaktes.
Ich liebe die Bäume und finde, dass sie eine sehr würdige Verkörperung dieser Liebesbegegnung sind und es wundert mich nicht, dass den Pflanzen im Laufe der Zeitalter seitens der Menschen immerzu Verehrung zugeflossen ist. Ich glaube, dass wir in den Pflanzen immer schon etwas wiedererkannt haben, das auch in uns lebt. In den Pflanzen sehen wir klar, was auch uns innewohnt, was uns aber, da uns, im Gegensatz zu den Pflanzen, eine unendliche Zahl an Beschäftigungs- und Ablenkungsmöglichkeiten gegeben ist, in Vergessenheit geraten kann. Und so stehen sie dort, kleine und große wachsende Wunder, und erinnern mich daran, dass ich ein Kind des Himmels und der Erde bin, und dass ich, wie die Saatkörner in meiner Hand, selbst auch einmal in der Hand von etwas größerem geruht habe, dass mich sorgsam auf der Erde platzierte und nun seinem Wunder beim Wachsen zusieht.

Waldweg

Ich ging einen Waldweg
Und fühlte die Bäume um mich träumen,
Sah sie wie alte Freunde meine Wege säumen.

Ich sah Verwandtschaft um mich her,
Sah sie hingegeben, leise
Dem Himmel lauschen wie ein Kind dem Greise.

Ich sah die Bäume Beispiel geben
Für ein erfülltes Erdenleben:

Dem inneren Himmel friedlich zu lauschen,
Meine Träume gegen Trüge nicht zu tauschen,
Die Wurzeln vertrauend ins Erdreich zu senken,
Und schließlich, meine Früchte in die Welt zu schenken.