Eine Geschichte erzählen

In meinem Schmerz bin ich ein Kind, dass an Geschichten glaubt – an Geschichten glauben will; das leise und ganz still dem lauscht, was die Stille zu ihm flüstert. Es braucht das Kind in mir doch jemanden, der eine Geschichte ihm erzählt, es mit sanfter Stimme führt, es fasziniert und es berührt; dass es liebevolle Worte seien, darauf alleine kommt es an.

Bin ich nun erwachsen und damit selbst der Geschichtenerzähler, dessen Worte mir selbst, dem Kind in mir und anderen Kindern Leitung geben sollen? Ich weiß, ich bin Geschichtenerzähler, trage die Verantwortung für mich selbst, im Mindesten. Doch ich weiß auch: Es gibt einen Ozean, einen Sternenhimmel voll von Worten, aus dem ich die Geschichte schöpfen kann. Mit der Geschichte, die ich erzähle, bin ich also nicht allein. Mir fallen tausend Worte ein – es kommt drauf an, welche ich wähle. Gänzlich erwachsen bin ich nie, vielmehr geführt durch eine Melodie, die auch in Wäldern, Sternen, Meeren klingt.

… mit jedem Tag ein Stück erweitern

Ich bin nicht, was ich denke – eher doch das Glück, das ich verschenke. Ich habe so viel nachgedacht, und fand mich am Ende doch dafür nur ausgelacht; vom eignen Innern still belächelt in meinen Versuchen, mit Gedanken zu erringen, was ich bin. Doch ich glaube: Ich ähnle eher einem Lied, und das lässt sich nicht denken – nur singen. In Gedanken habe ich versucht eine Messlatte zu überspringen, die zum Springen viel zu hoch ist … sie liegt dort für mich, doch nicht zum Scheitern, sondern zum Entdecken meiner Adlerschwingen. Es geht doch nicht ums Scheitern, sondern darum, dass wir uns mit jedem Tag ein Stück erweitern.