Väterchen Käfer

Einen Spaziergänger
Auf meines Buches Seiten,
Seh‘ ich gemächlich
Vorwärts schreiten.

Eile hat er nicht,
Dafür zwei zarte Flüglein
Am Rücken,
Und im Gesicht
Noch ein Paar Fühler
Die majestätisch ihn beschmücken.

Und obwohl ich es bin,
Der lesen kann,
Und er hier nur spazieren geht,
Seh‘ ich ihm an:
Er ist belesen, wie man
Mit Fühlern statt Augen
Es nur sein kann.

Friedlich, wie er sich bewegt,
Wie auch sein Herz wohl schlägt,
Weiß ich schlicht:
Er hat alles schon gelesen,
Ist schon überall gewesen.

So friedlich er ist
Braucht er nicht
Des weiten Reisens Hast,
In seinem Frieden ist
Die weite Welt in ihm zu Gast.

Von uns beiden
Ist er der Leisere
Und – ohne Neiden –
Auch der Weisere.

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Barfuß (alles ist lebendig)

Was empfindet man auf all den Straßen und Wegen aus Stein und Teer? Wie empfindet man die Berührung seiner Füße mit dem Erdboden? Ist es aufregend? Zärtlich? Ist es wirklich eine Berührung? Ist da eine Rührung? Wie empfindet man auf Straßen aus Stein und Teer? Wie wäre es, wenn meine Berührung der Erde eine zärtliche, aufregende und achtsame wäre? Wenn mit jedem Schritt auch jeder Moment durch Achtsamkeit – wie eine Berührung nackter Füße mit dem Waldboden, einem Moosteppich oder Flussbett … – aufregend, besonders und eine herrliche Entdeckung wäre? Meine nackten Füße sind für die Achtsamkeit, die Achtung des Mutterbodens, eines jeden Momentes gemacht. Nicht umsonst sind sind sie so kitzlig; es ist ihre Begeisterungsfähigkeit, ihre Bereitschaft, jeden Moment ganz wach zu begrüßen und einzutauchen in ihn. Mit den Füßen voran, in jedem Moment, ganz hier, ganz jetzt … Wann bin ich das letzte Mal barfuß gelaufen?P1020552